Barsoi, Vorsicht Suchtgefahr

9 Jahre dauerte die Suche nach der einen, nach meiner Rasse an und als ich endlich auf den Barsoi kam, war nicht ab zu sehen, welche Veränderungen ich dadurch in mein Leben holte.

 

Ja klar, plötzlich musste ich bei jedem Wetter raus, war ich vorher eine wahre Couch- Potato und lies mir im Sportunterricht für den 1000 m Lauf eine „6“ eintragen, stapfe ich nun durch Schlammpfützen und renne meinem Hund mit einer Hasenattrappe davon. Zwar hab ich keine Chance gegen meine Mädels, doch wie heißt es so schön, der Wille zählt.

 

Das für mich rassetypischste am Barsoi ist die immer größer werdende Sucht nach dieser Rasse und die damit verbunden Aktivitäten diese zu befriedigen.

 

Wie alles begann oder wie ich überhaupt auf diese Rasse kam erspare ich den geneigten Lesern, sollen sie doch nicht sofort einschlafen. Nur so viel sei gesagt, ich sah eine Frau, die mit ihrem Barsoi zu ihrem Auto ging und dieser tolle Anblick lies mich nicht mehr los, ich wollte wissen welche Hunderasse so schön sein kann.

 

Ich beginne also an dem Punkt, als ich mich im Internet auf die gezielte Suche nach weiteren Informationen über diese wunderschönen Wesen machte. Zuerst las ich aufmerksam die verschiedenen Homepages der Züchter, schrieb sogar den ein oder anderen an und erhielt freundliche und sehr interessante Antworten. Plötzlich sah ich auf einer Homepage kleine, eigentlich weiß- graue, doch nun eher weiß- schlammige Welpen, die ausgelassen im Garten tobten.

Es kam wie es kommen musste, ich fuhr nach Hannover und war sofort von den anwesenden Hunden begeistert. 3 Wochen lang schwebte ich durch diese Erfahrung auf Wolke Sieben und nervte meine Umwelt.

 

Ich hatte meine Rasse gefunden, die Rasse, die mir an der langen Nase entlang in die Seele blickte. Ein Barsoi sollte es werden, das stand nun fest.

 

Leider konnte ich aus beruflichen Gründen keinen dieser Welpen nehmen, es sollte einer aus dem nächsten Wurf werden, das war vollkommen klar. Die Wartezeit nutzte ich zur Wohnungssuche, ich zog von einer Dachgeschoss- in eine Erdgeschosswohnung. Bei jedem Pinselstrich oder wenn die Arme und Beine wieder von den vielen Kartons müde wurden, sagte ich mir gebetsmühlenartig immer wieder vor: „Bald zieht ein Barsoi bei mir ein, es ist alles für den kleinen Schatz. Bald zieht ein Barsoi bei mir ein, es ist alles für den kleinen Schatz. Bald zieht ein Barsoi bei mir ein, es ist alles für den kleinen Schatz. Bald zieht ein Barsoi bei mir ein, es ist alles für den kleinen Schatz….. “. Und dann ging es mit neuer Kraft munter weiter.

Mit großer Spannung sah ich den einzelnen Stationen entgegen, ungeduldig erwartete ich die Läufigkeit der Hündin, den Deckakt, die Ultraschalluntersuchung, die Geburt, den ersten und jeden weiteren Besuch und erst den Tag, an dem ich meine Libelle abholen konnte.

 

Meine Freude und mein Stolz endlich Hunde- ach was sag ich Barsoibesitzer zu sein, wollte ich mit der Welt teilen. Eine eigene Website musste her. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich außer in den beruflich benötigten und gängigen MS- Office- Anwendungen keine besonderen Computerkenntnisse habe. Also wie dann bitte eine eigene Homepage erstellen? Und außerdem bin ich dann noch Schwabe, also eher geizig veranlagt, deshalb durfte das ganze Unterfangen nichts kosten. Ich durchwühlte das Netz nach der geeigneten Plattform für mich, die ich letzten Endes auch fand und meine Homepage www.windhund-und-katz.de.tl  entstand.

 

Mein Barsoi- Baby war nun bei mir, doch ich hatte einen entscheidenden Nachteil, ich war Hundeanfänger, ich war zwar immer von Hunden umgeben, doch hatte ich nie einen eigenen Hund. Dieses Defizit musste abgestellt werden und neben der Unterstützung durch meine Züchterin meldete ich mich in 7 Hundeforen, davon 4 speziell für Windhunde an, kaufte Bücher und las sehr viel (leider war nicht alles hilfreich, sinnvoll oder gar anwendbar). Plötzlich verschwand eines meiner geliebten Windhundforen im Nirwana der Internetunterwelt. Das konnte ja wohl nicht sein, was tun? Wie gesagt, ich habe keine besonderen Computerkenntnisse, und trotzdem wagte ich das Abenteuer der Gründung eines eigenen Forums. Mit den www.windhund-freunde.de habe ich meinem Wissen nach das deutsprachige Forum, mit den meisten Barsois, nämlich  stolzen 115. Das freut mich sehr, bekomme ich dadurch die Möglichkeit mich mit anderen Barsoibesitzern auch außerhalb von Ausstellungen online zu unterhalten und auszutauschen.

 

Damit wären wir schon bei der nächsten Facette der Barsoisucht. Im Mai 2008 klingelte morgens früh um 04:30 Uhr der Wecker, das ist für einen Langschläfer wie mich eine wahrlich unmögliche Zeit und ich strengte mein Hirn an um eine halbwegs passable Ausrede zu finden, warum ich nicht auf die Europasieger nach Dortmund kommen konnte. Mir fiel nichts ein und was soll ich sagen, am nächsten Tag kam ich mit meinem 2. Barsoi nach Hause. Karona war erst nur als Pflegehündin bei mir und sollte vermittelt werden. Ich kann jeden nur ganz eindringlich vor dem Pflegestellenfieber warnen, es ist hoch ansteckend und hat weitreichende Folgen.

 

Libelle und Karona verstanden sich von Anfang an sehr gut, es war eine wahre Freude die beiden gemeinsam über die Wiesen flitzen zu sehen. Meine Nachbarn redeten seltsamer Weise vom ersten Tag an auf mich ein dieses liebe Wesen doch zu behalten. Eigentlich hatte ich befürchtet als verrückt zu gelten wenn ich 2 solch große Hunde halten würde. Doch genau das Gegenteil trat ein, sie meinten, es wäre ein so tolles Bild wenn ich mit meinen schwebenden Hunden gehen würde. Ja klar, super Bild, zwei schwebende Barsois und ein schwerfälliges Frauchen. Die Nachbarskinder waren ebenfalls Feuer und Flamme für meine Mädels, wenn sie uns sehen werden wir immer mit Namen begrüßt „hallo Karona, hallo Libelle- laaaange Pause- hallo Nina“, nett das ich überhaupt erwähnt werde.

 

Karonas liebe Art machte es mir unmöglich sie wieder gehen zu lassen und so kam ich doch noch zu meinem Welpen aus dem Matsch, denn sie war auch auf den damaligen Welpenfotos zu sehen. So schließt sich der Kreis, mit Bildern von kleinen matschbeschmierten Welpen fing alles an und nun stehe ich im Matsch und Schneeregen und befriedige meine Sucht indem ich meinen Mädels zusehe, wie sie über die Wiese fliegen.

 

In diesem Sinne sende ich matschige Grüße an alle Barsoisüchtigen, lassen Sie sich an der langen Nase entlang in Ihre Seele blicken.